
Stabile GKV, starker Standort: Wir brauchen jetzt das richtige Gesamtkonzept
18. Juni 2026Pharma Summit Brüssel 2026: Europa auf der Suche nach dem richtigen Kurs für Pharma und Biotechnologie
In Brüssel ging es am 24. Juni 2026 nicht nur um Gesetze und Regulierung. Im Kern stand eine viel grundsätzlichere Frage: Welche Bedingungen braucht Europa, damit neue Arzneimittel auch künftig hier erforscht, entwickelt und produziert werden?
Beim Pharma Summit Brüssel 2026 in der Vertretung des Freistaates Bayern bei der EU kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung sowie der Pharma- und Biotechindustrie zusammen. Auf der Agenda standen Themen, die für die Zukunft des Standorts entscheidend sind: das EU-Pharma-Paket, der Critical Medicines Act, der geplante Biotech Act, Fragen der Versorgungssicherheit und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas. Im Verlauf der Diskussion wurde dabei deutlich: Gute europäische Vorhaben allein reichen nicht aus. Sie können nur dann Wirkung entfalten, wenn sie auch in den Mitgliedstaaten auf verlässliche und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen treffen.
Europäische Ambitionen, nationale Verantwortung
Europa will unabhängiger von anfälligen Lieferketten werden, die eigene Produktion stärken und bei Zukunftstechnologien wie der Biotechnologie wieder aufholen. Dafür braucht es einen verlässlichen Schutz geistigen Eigentums, schnellere Verfahren, bessere Finanzierungsmöglichkeiten und weniger bürokratische Hürden. Doch europäische und nationale Politik lassen sich nicht voneinander trennen. Was in Brüssel angestoßen wird, darf in Berlin nicht durch gegensätzliche Signale ausgebremst werden!
Doch genau hier liegt derzeit ein zentraler Konflikt. Die Zukunftsindustrie Pharma steht in Deutschland durch die Debatte über die Ausgestaltung des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes unter Druck. Kurzfristige Einsparungen können die Finanzlage des Gesundheitssystems entlasten. Zugleich gefährden diese jedoch langfristige Investitionen in Forschung, Entwicklung und Produktion. Für Unternehmen geht es dabei vor allem um Planungssicherheit. Für den Standort um Wettbewerbsfähigkeit. Und für Patientinnen und Patienten letztlich darum, wie schnell neue Arzneimittel und Therapien in der Versorgung ankommen.
Mehr als klassische Standortpolitik
Die Gespräche in Brüssel haben gezeigt, dass Pharma- und Gesundheitspolitik nicht allein unter Kostengesichtspunkten betrachtet werden dürfen. Ein leistungsfähiger Pharma- und Biotechstandort schafft nicht nur Arbeitsplätze und Wertschöpfung. Er ist zugleich ein wesentlicher Bestandteil einer verlässlichen Gesundheitsversorgung. Wo geforscht, entwickelt und produziert wird, entstehen Wissen, Infrastruktur und Versorgungskompetenz. Werden Investitionen schwieriger oder Entscheidungen aufgeschoben, hat das daher nicht nur wirtschaftliche Folgen: Ein starker Pharmastandort ist kein Selbstzweck – er schafft die Voraussetzung dafür, dass medizinischer Fortschritt schneller bei den Menschen ankommt.
Vier Felder, in denen jetzt gehandelt werden muss
Bayern und die deutsche Pharma- und Biotechindustrie stellten beim Summit eine gemeinsame Erklärung zur Zukunft des europäischen Standorts vor. Darin benennen sie vier zentrale Aufgaben:
- Erstens muss Europa seine Wettbewerbs- und Innovationskraft stärken. Dazu gehören verlässliche Schutzrechte, innovationsfreundliche Regeln und schnellere, stärker digitalisierte Verfahren.
- Zweitens gilt es, Versorgungssicherheit und strategische Autonomie auszubauen. Europäische Produktionskapazitäten und robustere Lieferketten spielen dabei eine zentrale Rolle. Bei Ausschreibungen und Erstattungssystemen darf deshalb nicht allein der niedrigste Preis entscheiden.
- Drittens braucht Europa eine echte Biotechnologie-Offensive. Junge und wachsende Unternehmen benötigen besseren Zugang zu Kapital, schnellere Genehmigungen und leistungsfähige Forschungsnetzwerke.
- Viertens kommt es auf die nationale Standortpolitik an. Europa kann nur so stark sein wie die Rahmenbedingungen in seinen Mitgliedstaaten. Gefordert sind deshalb mehr Planungssicherheit, weniger Bürokratie, konsequente Digitalisierung und innovationsfreundliche Erstattungsregeln.
Bayern bringt seine Stärken ein
Bayern verfügt über starke Unternehmen, international anerkannte Forschungsstandorte und ein enges Netzwerk aus Wissenschaft, Politik und Industrie. Diese Voraussetzungen machen den Freistaat zu einem wichtigen Pharma- und Biotechstandort in Europa. Mit dem Ziel, die verschiedenen politischen Ebenen enger miteinander zu verbinden und darauf hinzuwirken, dass aus politischen Ankündigungen verlässliche Rahmenbedingungen werden, wird die Pharmainitiative Bayern den Dialog daher weiter begleiten.
Europa hat die Chance, wieder zu einem führenden Standort für pharmazeutische und biotechnologische Innovation zu werden. Dafür müssen Gesundheits-, Industrie- und Wirtschaftspolitik konsequent zusammengedacht werden! Die Gespräche in Brüssel haben gezeigt, worauf es dabei ankommt: Europäische Ambitionen brauchen nationale Unterstützung. Und nationale Entscheidungen müssen sich daran messen lassen, ob sie Innovation ermöglichen, Versorgung sichern und medizinischen Fortschritt bei den Patientinnen und Patienten ankommen lassen.
Foto: BPI/Zacarias Garcia


