
Innovation Made in Bavaria: Die Zukunft des Pharmastandorts gemeinsam sichern!
20. Januar 2026Beitragssatzstabilisierungsgesetz: Kurzfristige Entlastung – langfristiger Schaden für Pharmastandort, Innovation und Versorgung
Der Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) zum Beitragssatzstabilisierungsgesetz (BStabG) setzt erneut auf ein bekanntes Instrument: Höhere Abschläge für pharmazeutische Unternehmen. Was kurzfristig als Entlastung für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) erscheinen mag, erweist sich bei genauer Betrachtung jedoch als wirtschafts- und innovationspolitisch problematisch – und steht im direkten Widerspruch zu den erklärten Zielen der Bundesregierung, den Pharmastandort Deutschland zu stärken und die Arzneimittelversorgung zu sichern.
Denn der Herstellerabschlag ist kein isoliertes Sparinstrument. Vielmehr entfaltet er erhebliche Nebenwirkungen für Innovation, Wertschöpfung und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Eine von der Pharmainitiative Bayern in Auftrag gegebene Studie (BASYS-Studie 2025) macht dies deutlich: Anknüpfend an frühere Berechnungen aus dem Jahr 2022 geht die Analyse diesmal von zwei unterschiedlichen Szenarien aus. Der Unterschied liegt dabei in der Verwendung der durch den höheren Herstellerabschlag (Annahme der Studie: Anhebung auf 16 %) generierten Mittel. Beide Szenarien zeigen jedoch die weitreichenden Auswirkungen einer Anhebung des Herstellerabschlags – und zwar sowohl in der Gesundheitswirtschaft als auch in der gesamten Wirtschaft im Betrachtungszeitraum von 2026 bis 2030.
Im Szenario „Deckung der Finanzierungslücke“, bei dem die Mittel zur Auffüllung der GKV-Finanzreserven eingesetzt werden, zeigt sich ein besonders deutlicher Effekt: Jeder zusätzlich abgeschöpfte Euro führt zu einem volkswirtschaftlichen Wertschöpfungsverlust von 3,80 Euro. Über den Zeitraum von fünf Jahren summiert sich dies auf rund 106.400 verlorene Erwerbsjahre – das entspricht etwa 21.000 Vollzeitstellen.
Auch im Szenario „Beitragssatzdämpfung“, bei dem Versicherte durch stabilere Beiträge entlastet werden, überwiegen die Verluste: Pro Euro zusätzlichem Abschlag gehen 2,50 Euro an Wertschöpfung verloren. In der Gesamtbetrachtung bedeutet dies einen Verlust von rund 67.300 Erwerbsjahren beziehungsweise etwa 13.000 Vollzeitstellen.
Neben den unmittelbaren ökonomischen Effekten beleuchtet die Studie auch zusätzliche, weitreichende Konsequenzen. Internationale Analysen – unter anderem von Filson et al. (2025) – zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen den Einnahmen der pharmazeutischen Industrie und ihren Forschungsinvestitionen. Für Deutschland liegt diese sogenannte Innovationselastizität bei einem Wert von 0,96. Das bedeutet: Sinkende Einnahmen durch höhere Abschläge führen nahezu proportional zu geringeren Investitionen in Forschung und Entwicklung. Die Folgen sind absehbar: Weniger Innovation, geringere Wettbewerbsfähigkeit und ein gebremster medizinischer Fortschritt.
Die Effekte treffen den Standort nicht gleichmäßig. Insbesondere Bayern wäre überproportional betroffen, da die dortige Branchenstruktur – geprägt von Niederlassungen international tätiger, forschender Pharmaunternehmen –die Region besonders sensibel für regulatorische Eingriffe macht. So könnten in der Folge beispielsweise Investitionsentscheidungen und Forschungsaktivitäten verstärkt ins Ausland verlagert werden.
Die geplante Erhöhung und Dynamisierung des Herstellerabschlags ist also ein Sparplan, der sein Ziel verfehlt. Eine zukunftsfähige Gesundheitspolitik muss auf Verlässlichkeit, Innovation und Resilienz in der Arzneimittelversorgung setzen – anstatt den Pharmastandort zu schwächen, medizinischen Fortschritt einzubremsen und potenziell die Versorgung von Patientinnen und Patienten zu beeinträchtigen. Gerade angesichts der internationalen Gemengelange ist jetzt nicht die Zeit, auf wachstumshemmende Maßnahmen zurückzugreifen.

