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04.09.2017

Bayerns Pharmaindustrie: Für nationale Spargesetze besonders anfällig


München, 04. September 2017. Gesundheitspolitische Spargesetze mit dem Ziel, die Ausgaben für Arzneimittel einzudämmen, hinterlassen in der Gesamtbilanz bayerischer Pharmaunternehmen einen besonders tiefen Fußabdruck. Der Grund: In Bayern wird mehr als in anderen Bundesländern für Deutschland produziert und vermarktet. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Die Entwicklung der Pharmazeutischen Industrie in Bayern – Standortanalyse 2015“ des BASYS-Instituts, die die Pharmainitiative Bayern in Auftrag gegeben hat.

Pharmazeutische Unternehmen sind stark in den weltweiten Handel eingebunden. Deutschlandweit betrachtet, erwirtschaften sie fast zwei Drittel ihres Umsatzes (65,1 %) im Ausland. In Bayern ist das anders: Die Zielmärkte der bayerischen Unternehmen liegen stärker im Inland. „Der Auslandsanteil der bayerischen pharmazeutischen Industrie liegt nur bei 47 Prozent. Mehr als die Hälfte des Umsatzes wird also in Deutschland getätigt. Damit sind bayerische Unternehmen mehr als die in anderen Bundesländern ansässigen Unternehmen auf die Rahmenbedingungen des Inlandsmarktes angewiesen“, sagt Geschäftsführer des BASYS-Instituts und Studienautor Markus Schneider. Und die könnten besser sein, wie Schneider nachgerechnet hat: Als Folge der Preissenkungsgesetze der vergangenen Jahre – Preismoratorien, Zwangsrabatte oder niedrige AMNOG-Erstattungspreise – minderten sich die Erlöse der bayerischen Pharma-Industrie im Beobachtungszeitraum (2010 bis 2015) kumuliert um insgesamt 2,064 Milliarden Euro. Schneider geht davon aus, dass die hohen Belastungen der Branche durch gesetzliche und vertragliche Rabatte seit 2009 Investitionen verhinderten.

Spargesetze wirken innovationsfeindlich und schaden dem Standort

„Die Studie zeigt: Wenn in Berlin Spargesetze beschlossen werden, benachteiligt das insbesondere bayerische Pharmaunternehmen. Sie sind stärker belastet als Unternehmen, die in anderen Bundesländern angesiedelt sind“, bilanziert Han Steutel, Vorstandsvorsitzender des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) und Sprecher der Pharmainitiative Bayern. „Der Wunsch, in den Sozialkassen kurzfristige Entlastungen zu erreichen, wird damit aber teuer erkauft: Er schadet vor allem dem Wirtschaftsstandort Bayern.“ Langfristig sieht er auch Folgen für die Patienten: „Spareingriffe führen zwangsläufig dazu, dass Investitionsentscheidungen verschoben oder sogar gestrichen werden, denn Forschung wird aus den laufenden Einnahmen der Unternehmen finanziert. Die Folge: Pharmazeutische Innovationen kommen verspätet – und schlimmstenfalls gar nicht in der Versorgung an.“

Die pharmazeutische Industrie ist eine besonders forschungsintensive Branche und gehört damit zu dem Segment der Spitzentechnologie. Der ökonomische Nutzen wissenschaftlicher Forschung ist hoch. In weit entwickelten Volkswirtschaften gelten F&E-Investitionen als Schlüsselfaktoren für Wachstum, Produktivität und Wohlstand. Rabatte, die zu Umsatzschmälerungen führen, reduzieren direkt das potentielle Forschungsbudget. Studienautor Schneider: „Als Folge der Zwangsrabatte wurden in ganz Deutschland F&E-Aufwendungen und Ausrüstungsinvestitionen von schätzungsweise über vier Milliarden Euro unterlassen.“

Quelle:
Markus Schneider, Thomas Krauss, Aynur Köse: Die Entwicklung der Pharmazeutischen Industrie in Bayern – Standortanalyse 2015. BASYS-Beratungsgesellschaft für angewandte Systemforschung, Augsburg, 2017; erschienen in: RPG, Band 23, Heft 2/2017, S. 67-79.

ÜBER DIE PHARMAINITIATIVE

Die Pharmainitiative Bayern ist ein Zusammenschluss von derzeit neun forschenden Pharma-Unternehmen mit Sitz in Bayern. Gegründet im Jahr 2013, setzt sich die Initiative für gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein, um die hohe Qualität der aktuellen Gesundheitsversorgung zu erhalten. Bayern steht im Wettbewerb der Regionen. Nur wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert werden, kann die Spitzenposition Bayerns im Bereich Forschung & Entwicklung (F&E) gehalten werden. Das wiederum ist die Voraussetzung für eine nachhaltig hohe Qualität der Patientenversorgung. Mitglieder sind die Unternehmen Amgen, Biogen, Bristol- Myers Squibb, Celgene, Daiichi Sankyo, GlaxoSmithKline, MSD Sharp & Dohme, Novartis und Roche. Unterstützt wird die Pharmainitiative Bayern von den Verbänden vfa, VCI Bayern und dem Landesverband Bayern des BPI.

www.pharmainitiative-bayern.de

Pressekontakt:
Dr. Markus Born
Tel. 089-926 91-32,
E-Mail: presse@pharmainitiative-bayern.de

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